Jahresbericht des Arbeitskreis Fachwerk, Denkmal, Stadtbildpflege

Mai 2011 bis April 2012

Von Thomas Klostermann

Im Berichtszeitraum 2011/12 haben vier neue Mitstreiter den Arbeitskreis (AK) verstärkt. Bernd Heil versteht sich als Praktiker, der mit dem Hof Combüchen ein positives Beispiel für die Sanierung eines Fachwerkhauses gibt. Tom Schmidt schreibt gern, ist aber auch praktisch veranlagt. Der Verlust wichtiger historischer Bauten und zahlreiche Bausünden in Bergisch Gladbach sind Anlass für sein Engagement im AK. Hermann Kindervater ist vorerst Interessent und Tanja Engelskirchen als gelernte Architektin möchte sich u. a. für eine verträgliche Entwicklung in Unterhebborn einsetzen, wo sie ein Fachwerkhäuschen überwiegend eigenhändig saniert hat.

Im Vordergrund der AK-Arbeit standen insbesondere die Vorstellung eines weiteren Denkmal des Monats und die Nachbearbeitung vergangener Denkmäler des Monats an. Aber es gab auch neue Initiativen (siehe unter Sonstiges).

Das Denkmal des Monats 2011: Neues Herwegshaus in Bensberg

Präsentation „Denkmal des Monats“. (Foto: M. Dasbach 11.10.2011)

Zum Denkmal des Monats wurde im Oktober 2011 das Neue Herwegshaus in Bensberg am Burggraben 1 ernannt.

Etwa vierzig Teilnehmer waren gekommen und erfuhren von Max Morsches und Dr.-Ing. Stannek bisher Unbekanntes zur Geschichte des Hauses und seiner aktuellen Gefährdung. Höhepunkt war eine Führung in das Haus. Sie ermöglichte den Zutritt zu zwei großräumigen und beeindruckenden Gewölbekellern.

Der Kölner Bürgermeister Eberhard Joseph Melchior von Herwegh (bzw. Herweg) ließ 1767 das bruchsteinerne Wohnhaus an diesem Platz erbauen. Die solidere, steinerne Bauweise stand im Gegensatz zur sonst im Bergischen damals üblichen Fachwerkbauweise und unterstrich den gehobenen Stand des Bauherrn.

Die Lage zwischen kurfürstlichem Barockschloss und mittelalterlicher Burg mit Blick über den Marktplatz auf die Rheinebene war exklusiv. Vom heutigen Goethehaus aus gesehen ist das Haus Teil eines beeindruckenden Panoramas mit dem fünfeckigen Bergfried der alten Burg, dem markanten Rathaus Gottfried Böhms und den verwinkelten Fachwerkhäusern des Malerwinkels. Beim Neuen Herwegshaus handelt es sich um einen zweigeschossigen, fünfachsigen Bruchsteinbau mit Krüppelwalmdach.

Das Mauerwerk ist steinsichtig, es handelt sich um Lindlarer Grauwacke. Repräsentativ wirkt der Bau durch die Anzahl der Fensterachsen mit großen Fenstern, dem symmetrischen Fassadenaufbau, die relativ großen Geschosshöhen und das hohe Dach.

Seitlich rechts neben dem Wohnhaus befand sich bis 2000 eine Fachwerkscheune, mit dem Wohnhaus verbunden durch ein altes Hoftor mit ziegelgedecktem Satteldach, im hölzernen Rundbogen die Datierung
ANNO 1767 DOMINI.

Das alte Hoftor war wie ein kleines Wahrzeichen Bensbergs, ein gesuchtes Objekt für Fotografen, Künstler und Maler, ein Postkartenmotiv, eines der kleinen aber wichtigen Wiedererkennungsmerkmale mit hohem Identifikationswert.

Im August 2000 erfolgte der Abbruch der Fachwerkscheune wegen Baufälligkeit. Die Bruchsteine des Straßengiebels wurden gelagert, um sie zur Verblendung eines neuen Giebels wieder zu verwenden.

Mit dem Abbruch der Scheune fiel auch das 1983 sanierte, denkmalgeschützte Hoftor. Es durfte abgebaut werden mit der Maßgabe, es zu lagern und für einen späteren Wiederaufbau bereit zu halten.

Die beiden Veranstalter, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sowie der BGV, wiesen beim Präsentationstermin darauf hin, dass Bausubstanz und Umfeld gefährdet sind. Durch lang anhaltende Bewitterung der Fassade zeigt das Mauerwerk an zahlreichen Stellen starken Substanzverlust. Ursprünglich eckige Steinkanten sind gerundet, Oberflächen sind abschiefernd oder absandend. Vereinzelt sind lockere Steine oder Risse vorhanden. Der Fassadenbewuchs hat durch Dickenwachstum Schäden in den Mauerfugen verursacht. Dies sind Befunde, die eine Instandsetzung der Fassaden und ihrer Einzelteile notwendig machen. Die Fensterrahmen im Erdgeschoss sowie die Klappläden bedürfen der Pflege, teilweise auch der Ergänzung. Die rechte Gebäudeecke weist eine durchgängige Setzungsfuge auf und muss bis in eine entsprechende Tiefe neu unterfangen werden.

In seinem Fazit stellt Dr. Stannek heraus: „Wenn man an eine ergänzende Bebauung in der Nachbarschaft oder gar an einen Ersatz von Nachbarhäusern denken sollte, wäre eine städtebauliche Rahmenplanung wünschenswert, an der sich zukünftige Bauvorhaben orientieren müssten in Bezug auf Bauform, Höhe und Grundstücksausnutzung, um im Vergleich mit dem Malerwinkel bestehen zu können. Hinter dem Herwegshaus sind vor Jahrzehnten Gebäude entstanden, die diese Rücksichtnahme leider vermissen lassen. Eine Stadt lebt nicht nur von verdichteten Geschäftszentren an sich, sondern auch von der Qualität gebauter Umgebung.“ Dr. Stannek appelliert an die Bauleitplanung, sich dieser Aufgabenstellung anzunehmen.

Mittlerweile hat im Zusammenhang mit städtischen Bestrebungen, ein neues Kaufhaus in Bensberg-Mitte zu etablieren, der Planungsausschuss am 1.12.2011 die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen, dessen Grenzen auch die östliche Marktplatzseite mit einbezieht. Damit besteht die Möglichkeit, das Baugeschehen am Marktplatz und um das Denkmal städtebaulich verträglich zu gestalten.

Die Erhaltung des Hauses Markt 6, Reisebüro Ortzel, sowie eine sensible Neubebauung auf dem Grundriss der abgerissenen Scheune halten die Veranstalter für wichtig. Das Architekturbüro Franken und Kreft hat für das Scheunengrundstück bereits 2001 einen Vorentwurf erarbeitet, der sich gefällig in das Malerwinkel-Ensemble einfügt. Daran könnte man anknüpfen.

Mit den Eigentümern des Herwegshauses sind Gespräche geplant, mit dem Ziel, Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen einzuleiten.

Nachrichten zu vergangenen Denkmälern des Monats

Malteser-Komturei

Ergänzend zu dem Denkmal des Monats 2004, der Malteser-Komturei, die bereits 2006 saniert und als Hotel-Restaurant wieder eröffnet wurde, hat das Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland 2010 den gesamten Bereich der Johanniter/Malteser Kommende/Ballei Herrenstrunden nach einem Katasterplan von 1832 als Bodendenkmal festgestellt. Die Eintragung in die Denkmalliste erfolgte im Dezember 2011. Pläne zur Verfüllung des Teichs an der Komturei sind somit hinfällig.

Rommerscheider Hof

Um den Rommerscheider Hof, Denkmal des Monats 2005, war es lange still. Im Frühjahr 2011 bestätigte sich das Gerücht, die Eigentümer hätten einen Abrissantrag für dieses über 400 Jahre alte Fachwerkhaus gestellt.

Der BGV setzte sich bei Herrn Bürgermeister Urbach für den Erhalt des historisch bedeutsamen Hofs ein und unterbreitete einen Lösungsvorschlag, der die Eigentümer jeglicher Pflichten entbinden würde. Ein Liebhaber stehe zum Kauf und zur eigenhändigen Sanierung bereit. Auch der Bürgerverein Rommerscheid wurde aktiv und führte ein Gespräch mit Bürgermeister Urbach.
Ende November 2011 berichtete die Presse mehrfach über den Hof und den Abrissantrag. Ein Gutachten ergab die Unwirtschaftlichkeit einer Sanierung. Das Rheinische Amt für Denkmalpflege sah den Gebäudezustand jedoch weniger kritisch. Eine Sanierung sei möglich, Zuschussmöglichkeiten seien zu prüfen.

Am 25.1.2012 kam es zu einer großen Gesprächsrunde bei Herrn Bürgermeister Urbach. Teilnehmer waren Dr. Stürmer vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege, Herr Stabenow von der Unteren Denkmalbehörde, die Eigentümerfamilie mit Architektin Frau Wolf-Dünn, Herr Hagen, der Vorsitzende des Bürgervereins Rommerscheid u. a. Mitglieder des Bürgervereins.

Im Gespräch wurde den Eigentümern zunächst deutlich gemacht, dass Nutzung und Sanierung des Gebäudes möglich seien, dem Abrissantrag könne nicht stattgegeben werden. Eine langjährige Vernachlässigung des Denkmals könne nicht das Recht auf Abriss begründen. Ziel des Denkmalschutzes sei die Erhaltung und Überlieferung von Baukultur. Bürgerverein und Fachämter sagten den Eigentümern alle erdenkliche Hilfe und Beratung zu.

In einem nächsten Schritt sollen ein Nutzungskonzept erstellt und Fördermöglichkeiten geprüft werden. Der Bürgerverein Rommerscheid hat die Federführung für weitere Gespräche übernommen. Eine konkrete Lösung zeichnet sich noch nicht ab, aber man ist im Gespräch. Auch ein Verkauf des Hofes an einen Liebhaber ist im Gespräch.

Stellwerk Tannenbergstraße

Das Denkmal des Monats 2006 Stellwerk Tannenbergstraße war durch ein Gutachten des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege u. a. auch wegen seiner sehr seltenen, noch immer von Hand bedienten mechanischen Betriebstechnik von 1911 als bedeutsames Technikdenkmal ausgewiesen worden.

Der BGV hat im März 2011 in einem Brief Herrn Urbach eindringlich darum gebeten, nach fast fünf Jahren der Verzögerung, Maßnahmen zur Eintragung des Stellwerks in die Denkmalliste einzuleiten. Dabei wurde auch auf die eindeutige Rechtslage hingewiesen. Die Antwort war wohlwollend, aber unverbindlich.

Am 30.11.2011 schrieb das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege RVDL auf dessen Anfrage, die ablehnenden Gründe der Stadt bezüglich einer Eintragung des Stellwerks in die Denkmalliste stünden einer Eintragung nicht entgegen. Deshalb habe das Ministerium den Rheinisch-Bergischen Kreis als Obere Denkmalbehörde gebeten, bei der Stadt Bergisch Gladbach auf die Eintragung des Stellwerks hinzuwirken.

Das weitere Verfahren bleibt abzuwarten.

Gartensiedlung Gronauer Wald

In der Gartensiedlung Gronauer Wald, Denkmal des Monats 2008, hat sich ein Freundeskreis aus Anwohnern, BGV-Mitgliedern und Architekturliebhabern gebildet, der sich seit Dezember 2008 mit Engagement und Kompetenz für die Bewahrung des Siedlungscharakters einsetzt und der mit Vorträgen, Publikationen und Führungen eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit betreibt.

Es gab bisher Teilerfolge wie z. B. den Beschluss im Planungsausschuss am 21.4.2009 zur Aufstellung eines Bebauungsplans, der allerdings bisher nicht bearbeitet wurde, die Verabschiedung eines kleinen Denkmalbereichs im Juli 2010 um den Platz An der Eiche, eine Gestaltungsfibel im Juni 2011 mit konkreter Anleitung für die Anwohner bei Um- und Erweiterungsbauten – allerdings unverbindlich – und die Ausweisung des Wohnhauses Richard-Zanders-Straße 53 als Einzeldenkmal.

Das bisherige Fehlen eines rechtsgültigen Bebauungsplans macht es im Konfliktfall schwierig, unpassende Bauvorhaben zurückzuweisen. In den nächsten Monaten wird es darauf ankommen, eine Kombination aus planerischen Instrumenten zu finden, die sich gegenseitig ergänzen und somit eine weitgehend geordnete und gestaltete bauliche Entwicklung ermöglichen. (Informationen unter www.gronauer-waldsiedlung.de)

Kinderdorf-Bethanien

Ziel des Aktionstags Denkmal des Monats 2009 Kinderdorf-Bethanien war es, auf den herausragenden Wert dieses in sich geschlossenen Ensembles aufmerksam zu machen und das öffentliche Bewusstsein für diesen kreativen und phantasievollen Entwurf renommierter Nachkriegsarchitektur des weltweit anerkannten Architekten Gottfried Böhm zu schärfen.

Um die noch unverfälschte Anlage von 1965/67 vor baulichen Fehlentwicklungen langfristig zu schützen, sprachen sich die Veranstalter für eine rechtzeitige Eintragung in die Denkmalliste aus. Diese erfolgte nunmehr auf der Grundlage eines umfangreichen Gutachtens des Rheinischen Amts für Denkmalpflege durch Beschluss des Planungsausschusses am 12.5.2011. Informationen in HzSuD 14, S. 52-53.

Gedenkstein am Fronhof in Herkenrath

Denkmal des Monats 2010: Gedenkstein am Fronhof in Herkenrath
Der Gedenkstein war durch Bewuchs kaum noch wahrnehmbar. Die Inschrift ist überwiegend abgeplatzt, Risse und Schalen haben sich gebildet, die Fugen sind ausgewittert, die Standsicherheit nicht gewährleistet. Ein Angebot der diplomierten Steinrestauratoren Gloßner & Sieverding beträgt 4.700 €. Der Auftrag konnte mittlerweile erteilt werden.

Die Sanierung hat am 24.3.2012 begonnen und soll im April abgeschlossen werden. Nach Freistellung und Entfernung des Bewuchses wurde das Schadbild noch deutlicher, aber auch Reste einer ehemaligen Farbgebung wurden sichtbar; die abgeplatzte Inschrift konnte nach der Reinigung weitgehend entziffert werden.

Sonstiges

Das im letzten Heft angesprochene Thema Friedhöfe und Grabsteine hat beim Laurentiusfriedhof zu einem ersten Erfolg geführt. Auf Grundlage einer umfassenden Ausarbeitung des AK-Mitglieds Rainer Brandenburg und nach Ortsbegehung mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege hat Letzteres am 9.9.2011 bei der Stadt Bergisch Gladbach für mehrere Objekte auf dem Laurentiusfriedhof einen Antrag auf Eintragung in die Denkmalliste eingereicht.

Im Einzelnen handelt es sich um das Ehrenmal für Gefallene des Ersten Weltkriegs, den Ehrenfriedhof Zweiter Weltkrieg, die Grabanlage für Opfer des NS-Regims aus Polen und der Sowjetunion, die Grabanlage der Armen Schwestern vom Heiligen Franziskus sowie um sechzehn künstlerisch und ortsgeschichtlich wertvolle Einzelgrabsteine. Weitere fünfzehn Grabsteine sind als beachtenswert aufgeführt.

Derzeit erfolgt eine weitere Ausarbeitung für den Friedhof Bensberg. Dort führte der AK auf dem kleinen Ehrenfriedhof am Haupteingang und am Budde-Monument nach Abstimmung mit StadtGrün am 30.9. und 7.10.2011 Pflegearbeiten durch. Mit Efeu überwucherte Grabsteine wurden freigelegt, zwei lose Grabplatten durch den Steinrestaurator Stefan Gloßner fachgerecht verschraubt sowie vier lose Grabplatten zunächst privat eingelagert, bis ein passender Sockelstein gefunden ist.