Kalköfen Cox - ein Industriedenkmal ersten Ranges

Von Gerd Broich, in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn, Nr. 10, 2003

„Denkmal des Monats" Juli 2002

Einer der Kalköfen mit Kalksteinhalden und Aufschüttungen
(Foto: G. Broich, März 2003)

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) und der BGV, Abt. Rhein-Berg, machten 2002 wieder auf ein gefährdetes Denkmal aufmerksam: Am 9. Juli wurden die Kalköfen Cox am Gladbacher S-Bahnhof zum „Denkmal des Monats" ernannt. Der Einladung vor Ort waren der stellvertretende Bürgermeister Karl Hubert Hagen, Vertreter der Stadtverwaltung, u. a. der Unteren Denkmalbehörde, sowie Vereinsmitglieder, Bürger und Politiker gefolgt. Der Eigentümer selbst konnte urlaubsbedingt nicht teilnehmen, war aber durch seinen Architekten vertreten.
In einem Fachvortrag erläuterte Dr. Eva Kistemann die historische Entwicklung der Kalkbrennerei in Bergisch Gladbach, die neben dem Mühlengewerbe über Jahrhunderte den bedeutendsten Wirtschaftszweig der Region darstellte. Vom 17. bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts lassen sich rund 80 Kalköfen nachweisen. (Zu weiterer Information über Abbau und Verwendung siehe „Heimat zwischen Sülz und Dhünn", Heft 9, S. 44 ff.)
Die Köln-Mülheimer Tuch- und Kalksteinhändler Jakob Cox und sein Sohn August ließen 1852 zwei große Kalköfen bauen, denen 1858 ein dritter folgte. Der dazugehörige Steinbruch lag ein wenig oberhalb an der Marienhöhe. Zum letzten Mal wurde 1958 in Bergisch Gladbach Kalk gebrannt. Bei den beiden noch vorhandenen Kalköfen Cox - der dritte Ofen stürzte im 2. Weltkrieg ein, ragt teilweise aber noch mehrere Meter auf -handelt es sich um die letzten erhaltenen Anlagen ihrer Art in der Bergisch Gladbacher Region. Wegen ihrer Bedeutung für Stadtgeschichte und Wissenschaft wurden sie am 7. l. 1987 durch Beschluss des Stadtrats unter Denkmalschutz gestellt.
Dr. Kistemann ging auf die Problematik der aktuellen Bebauungsplanung ein. Diese sieht eine weitgehende Bebauung des gesamten Cox-Geländes mit Wohn-und Mischnutzung vor, die aus zwei- und dreigeschossigen Gebäuden plus Dachgeschoss besteht.
Dr. Kistemann wies auf die Gefahr hin, dass die neuen Gebäudekörper durch ihr Volumen und den geringen Abstand das Denkmal zu sehr bedrängen und überragen. Durch die geplante Veränderung und Überbauung des Umfelds ginge das gegenwärtige, historisch gewachsene Umfeld der Öfen mit seinen Halden und Aufschüttungen aus der Gewerbezeit weitgehend verloren. Dies habe deutliche Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Kalköfen und den kulturlandschaftlichen Zusammenhang. Die Teilnehmer wurden darüber hinaus auf eine direkte Gefährdung der Kalköfen hingewiesen. Auf Grund der jahrelangen Verwahrlosung des Denkmals konnten sich ungestört Sämlingsbäume in den Fugen ausbreiten, die das Mauerwerk sichtbar zerstört haben. Oben auf den Öfen entwickelten sich dickstämmige Birken und Pappeln, die zusätzlich zum Wurzeldruck mit ihrem zunehmenden Gewicht den Abbruch von Mauerteilen oder gar einen Einsturz verursachen könnten. Architekt und Stadtverwaltung wurde deutlich gemacht, dass der Verfallsprozess durch die Einleitung von Pflegemaßnahmen umgehend gestoppt werden muss. Neben der Erhaltung der Originalbausubstanz geht es dabei auch um die Vermeidung unnötiger Kosten bei einer zukünftigen Instandsetzung. Anschließend konnten Stadtverwaltung und Planer den Anwesenden in einem naheliegenden ehemaligen Betriebsgebäude ihr städtebauliches Konzept erläutern und zunächst einige Bedenken zerstreuen. Gemeinsamkeit herrschte in der Frage, das Baudenkmal zu erhalten, zu sanieren und in das Stadtgefüge zu integrieren. Offen blieb die Frage nach den Gebäudehöhen. Die Problematik des Bewuchses wollte der Architekt beim Eigentümer ansprechen. Erst nach der Veranstaltung konnten sich einige Teilnehmer bei der Betrachtung des im Bensberger Rathaus ausgestellten Planungsmodells von der Berechtigung der geäußerten Bedenken hinsichtlich Abstand und Maßstäblichkeit überzeugen.

Pflanzenbewuchs hat umfangreiche Mauerschäden verursacht (Foto: G. Broich, März 2003)

In einem nachgereichten Schreiben an die Bürgermeisterin Maria Theresia Op-laden versuchte die Vorsitzende des Ortsverbandes Köln im RVDL, Dr. Barbara Precht-von Taboritzki, noch einmal das Bewusstsein für die genannte Problematik zu wecken. Die geplante Bebauung dominiere zu stark das Gelände und rücke zu nahe an die Kalköfen heran. Eine Beantwortung des Schreibens steht noch aus.
Auch das Rheinische Amt für Denkmalpflege bestätigte in seiner Stellungnahme im Rahmen der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange die Bedenken der Veranstalter. Aufgrund der vom Amt vorgebrachten Bedenken wurde die Bebauungsplankonzeption überarbeitet, so dass nun ein vergrößerter Abstand zwischen der geplanten Zeilenbebauung an der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße zum Baudenkmal „Kalköfen Cox" vorgesehen ist. Im Hinblick auf die städtebauliche Gesamtkonzeption sei die „Nähe" der geplanten Bebauung zum Denkmal jedoch nachvollziehbar.
Im übrigen wurde vereinbart, ein Sanierungskonzept für die Instandsetzung der Kalköfen zu erstellen. Die Durchführung der Instandsetzungsmaßnahmen seitens des Eigentümers wird im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages geregelt. Im September 2002 schaltete sich auch das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn ein, das nach durchgeführter Begutachtung bei der Stadt einen Antrag auf „Eintragung der ehemaligen Industrieanlage ,Kalköfen Cox' als Bodendenkmal in die Liste der ortsfesten Bodendenkmäler" einreichte. Dieser wurde wie folgt begründet: „Die ,Kalköfen Cox' und der umgebende und einschließende Boden, sind als Mehrheiten von Sachen, die in einem funktioneilen Zusammenhang stehen, bedeutend für die Industriegeschichte und die Kulturlandschaftsentwicklung der Bergisch Gladbacher Region. Alle drei Öfen und die ehemaligen Betriebsanlagen stellen als industriegeschichtliches Denkmal eine Einheit dar, die bedeutend für die Wirtschaftsgeschichte der Stadt sowie für das Arbeiten und Leben der Menschen in der Stadt Bergisch Gladbach und der Region sind. Für den Erhalt und den Schutz sprechen sowohl wissenschaftliche wie städtebauliche Gründe (§2 DschG NW); an der Unterschutzstellung besteht ein öffentliches Interesse. " In anschließenden Verhandlungen zwischen Vertretern des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege, der Stadt und dem Grundstückseigentümer wurde vereinbart, die wissenschaftliche Untersuchung und die Dokumentation des Bodendenkmals (eingefallener dritter Kalkofen/ehemals vorhandene Wirtschaftsgebäude) als .Alinimalzier sicherzustellen. In den textlichen Erläuterungen zum Bebauungsplan heißt es dazu, einer Bebauung/Überbauung im Bereich des Bodendenkmals stünden keine grundsätzlichen Bedenken der Bodendenkmalpflege mehr entgegen. Begründet wird diese Entscheidung dahingehend, dass bei einer Unterschutzstellung und Erhaltung des Bodendenkmals eine Bebauung (Hotel-bebauung) in diesem Teilbereich des Plangebietes unterbleiben müsse und somit die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes gefährdet sei. Deshalb wurde vereinbart, die Eintragung des Bodendenkmals in die Liste der ortsfesten Denkmäler zunächst auszusetzen und das Antragsverfahren als „vorläufige Unterschutzstellung" einzustufen.

Fazit: Die wissenschaftliche Untersuchung ist zwar gesichert, sie verhindert jedoch nicht die Überbauung.

Eingefallener dritter Ofen (im Hintergrund links) und Wirtschaftsgebäude (mit dahinter aufstrebender Natursteinmauer) sollen einem Hotelneubau weichen (Foto: G. Broich, März 2003)

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